Stabiles Schach von KKS 2

Mit einer guten Mannschaftsleistung konnte KKS 2 die erste ernste Herausforderung der diesjährigen Verbandsligasaison bestehen; die bisherigen zehn Punkte kamen ja ausschließlich gegen schwächere Teams zustande. Das 5:3 gegen die Aachener vom DJK Aufwärts, 3. Mannschaft, bedeutet die klare Tabellenführung in der Verbandsliga Mitte mit 12-0 vor Lasker 2 und Aachen mit je drei Punkten weniger. Noch fünf Runden sind bis Mai zu spielen.

Ein Aachener Schachfreund mit belgischer Nationalität hat an diesem fahlen Sonntagnachmittag im AWO-Heim am Venloer Wall den Kölner Schachmeister Udo Mörschbach in einem damenlosen Mittelspiel an den Rand der Niederlage gebracht – so sehen das die Kiebitze, und sie irren nur unwesentlich, denn sie ahnen nicht, welche spektakuläre Parade Mörschbach entkorken will – und tüftelt an seinem Gewinnweg herum, als er merkt, daß die Sache so einfach nicht ist. Zwar steht die KKS-Turm fast bewegungsunfähig am Damenflügel herum, und die schwarze Königsstellung sieht aus, als müßte sie beim nächsten zarten Rempler zerbröseln, aber er packt es nicht, Schwarz fällt nicht um. Mörschbach tauscht ruhig ab zu einem Endspiel mit Turm und Läufer, zentralisiert seinen Opa und wird zum Spieler des Tages. Der durch zurückhaltenden Gebrauch fast unversehrte Turm kann sich scheinopfern, das weiße Zentrum bricht zusammen, und das Mörschbach´sche Läuferendspiel ist selbst für rechenfaule Schachzocker verläßlich abzählbar.

Begonnen hatte der Verbandsliga-Kampf „Erster gegen Zweiten“, also KKS 2 (10:0) gegen Aachen 3 (9:1), schon ein paar Tage vorher in vereinsinternen Emails, als die Führung des KKS ein paar Kräfte ihrer Zweiten für den Kampf der Bundesliga-Ersten nach Wiesbaden shanghaien wollte, jedoch wenig Gegenliebe fand: das Zusammengehörigkeitsgefühl und der Aufstiegsehrgeiz der Zweiten sind deutlich gewachsen, man empfindet sich als eine zusammengehörende Truppe. Dies Jahr will man aufsteigen, zurück in die Regionalliga. Die Aktien stehen gut. Götz Richter schließlich reiste mit der Bundesligamannschaft nach Wiesbaden, und der Stammachter der Zweiten blieb fast unversehrt.

Es hat sich gelohnt. Beim Ausfüllen des Meldebogens kam das schüchterne 4:4-Angebot des Aachener Chefs; so schüchtern, daß MF Hübner es gar nicht mitbekam („Wir wären ja mit einem 4:4 zufrieden“, Blick auf Hübner, der nicht reagiert, hilfloser Blick in die Runde, kein Kölner rührt sich).

Und dann zeigt die Zweite des KKS, daß sie arbeiten kann, wenn´s um was geht. Ein Indiz dafür: nach etwa einer Stunde hatten die KKS-Meister deutlich mehr Bedenkzeit investiert als ihre Gegner. Peter Graf an 7 macht dann den Anfang, als er nach knapp zwei Stunden vor der Alternative steht „Zocken oder Vernunft“ und die ruhige Wahl trifft, Remis im Viertürmeendspiel. Christoph Pragua verzeichnet an Brett 4 einen typisch damenindischen Vorteil, einen sehr zarten also, nimmt auch ein paar Bauernschwächen in Kauf für spätere Angriffschancen, wiederholt in zwiespältiger Lage dann aber lieber die Züge; der Gegner hat, wie das Post-Mortem zeigt, tatsächlich alles gesehen. Nachdem auch MF Wolfgang Hübner an 3 eine sizilianische Jugendliebe reanimieren und zur etwas holprigen Punkteteilung verwandeln kann, fällt der erste Volle. Kurt Walter hat an Brett 2 einen Najdorf-Sizilianer im Karpow-Stil gepflegt und seinen Gegner kontinuierlich verunsichert. Irgendwann ist so viel Unordnung im schwarzen Spiel, daß eine Qualität für nichts verlorengeht. Der junge Aachener gibt sofort auf.

Die Herren Graf, Hübner und Pragua, früh von konzentrierten Spielern zu ruhelosen Kiebitzen mutiert, müssen aber nun mitansehen, wie die Kölner Aktien sinken. An 5 kommt Mörschbach außer Tritt, Martin Meertens am Spitzenbrett muß in einem damenlosen Mittelspiel die Fäuste vor´s Gesicht nehmen, und an Brett 8 kulminieren die Kölner Sorgen, wo es Alexander Krauth nicht so recht gelingt, seine Figuren zu koordinieren. Sein Damenturm stolpert abgeschnitten von den Kollegen die a-Linie runter, während Schwarz mit kernigen Normalzügen den vollen Punkt anstrebt. In Zeitnot, die Alex mit gerade noch zwei Extra-Sekunden abfeiert, kippt seine Partie zu einem maladen Damenendspiel.

Vorher stimmt Alexander Samak an 6 dem Aachener Remisvorschlag zu, nachdem ihn ein paar schöne Angriffsmotive vorübergehend zu größeren Hoffnungen veranlaßt haben. Derweil hat Martin in einem Endspiel „Turm plus je zwei Leichtfiguren“ zwar die Bauchlage eingenommen, aber nicht das Kämpfen vergessen. Beeindruckend, wie er stehenbleibt, seine paar Klötze harmonisiert und schließlich den halben Punkt einfährt. Einer der Gewinner des Tages.

Noch einer ist Udo Mörschbach (MF Hübner raunt irgendwann in die kleine Versammlung rund um dessen Brett: „Mann, ist der Udo zäh.“). Als Aachen für ein 4:4 weiß Gott was geben würde, mehr als fünf Stunden sind inzwischen gespielt, zelebriert er das Läuferendspiel, bis der Aachener Schachfreund die Partie und den Wettkampf aufgibt, 4,5 Punkte für uns. An 8 bei Alex Krauth kommt schließlich ein Remisangebot in Gewinnstellung, aber aus Mannschaftsfrust, so daß es 5:3 für KKS 2 heißt.

Aber, Wolfgang Hübner hat es herausgefunden: der nächste Gegner ist immer der schwerste. Der heißt Rheinbach und erwartet uns am 26. Februar.

Christoph Pragua

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