Die Zweite trotz Grippe souverän

Er ist, verbindlich gesprochen, ein wenig spät dran, hat den Fußweg vom Bahnhof zum Spiellokal nicht gleich gefunden. Doch Kurt, heute unser Mann an Brett 3, ist frohen Muts, nimmt die Stufen des Bürgerhauses in Leverkusen-Wiesdorf mit Schwung, ignoriert die fragenden Blicke seiner Kollegen und hält Einzug in den Turniersaal. Seine Unpünktlichkeit hat ihn fast zwanzig Minuten Bedenkzeit gekostet, doch dem routinierten Gegner wird das nicht zum Vorteil gereichen. Gegen dessen reichlich unorthodoxe Eröffnung – die Fachleute streiten sich später: war das ein Elefantengambit oder noch was anderes aus der Exotenabteilung? -, gegen seinen zu recht seltenen Aufbau hat der Kölner Meister hat keine Mühe. Er baut sich solide auf und verwaltet die Druckstellung bis zu einem späteren Unentschieden vier Stunden später, über das eher der Schwarze froh sein muß.

Überhaupt bietet die Mannschaft eine konzentrierte Vorstellung. Obwohl erst am Sonntagmorgen gegen neun die grippale Hiobsbotschaft eintraf, daß der Ausfall an Brett 5 das Hochrutschen der halben Mannschaft bedingen und deren tagelange Vorbereitung auf ihre Leverkusener Gegner obsolet machen würde, obwohl Thomas H., Ersatzspieler an Brett 8, sozusagen vom Sonntagsfrühstück weg ans Brett eilen mußte und obwohl wegen des, sagen wir, ausbaufähigen Punktestandes der Kölner Mannschaft (5 P. aus 6 Runden) durchaus Druck in der Tube war, kamen alle gut ins Spiel. Vielleicht hat es geholfen, daß die sehr erfahrene Leverkusener Truppe einen noch schwereren Mühlstein am Hals hatte. Sie mußte gewinnen, um jeden Preis, wenn sie den endgültigen Abstieg aus der Regionalliga umgehen wollte. Und das war erkennbar zu schwer gegen eine KKS-Mannschaft, die an ihren Schwarzbrettern souverän die Tür zuhielt. Unter ihnen Martin M. mit zeitweiligen Chancen auf mehr und der verdienstvolle Thomas H. mit einer festen Zentralstrategie; am Ende drohte ihm die Partie ein wenig zu entgleiten, doch weil der Kampf da schon hinüber war, konnte er von der Resignation seines Gegners profitieren und dessen Remisangebot gutgelaunt akzeptieren.

Der durch Aufstellungsprobleme leidgeprüfte MF Peter, selbst mit Erkältungssymptomen kämpfend, hatte an Brett 7 zwischendurch etwas Vorteil, der sich allerdings nur in ein damenloses Mittelspiel mit ungelenker Figurenstellung transformieren ließ, remis. Neben dem leichten Sieg des Berichterstatters gegen einen bedauernswerten Leverkusener, der mehr mit seinen Bronchien zu kämpfen hatte als mit den weißen Langschrittlern und deshalb mehr Sorge um seinen Vorrat an Hustenpastillen walten lassen mußte als um seine Königsstellung, war die ebenso unspektakuläre wie bärenstarke Angriffspartie unseres Spitzenbretts der Hingucker. Wie Martin S. gegen einen bekannten Schachmeister (und Schachjournalisten) aus einer  vermeintlich zurückhaltenden Eröffnung mit kernigen Normalzügen einen nachhaltigen Vorteil auf- und ausbaute und die sich einschleichenden Ungenauigkeiten des Schwarzen zu einem Angriff nutzte, der in einem klitschkohaften Zertrümmerungsopfer auf g7 kulminierte, das war lehrreich und erbaulich.

5:3 für uns also, zwei Volle, sechs Remisen, kann man nicht meckern. Die Zweite hat nun 7 P. und braucht aus den letzten beiden Runden noch einen Punkt, um die Regionalliga zu behaupten, die sympathischen Leverkusener bleiben bei nur einem Punkt und sind nun auch rechnerisch abgestiegen. Viel Erfolg im nächsten Jahr, wenn es um den Wiederaufstieg geht!

Und ja, um dem Spaziergänger Kurt einen neuerlichen Orientierungsgang durch die frostige Industrieidylle zu ersparen, wurde er auf dem Rückweg zum Mitfahren im PKW genötigt.

                                                                                                                                                               Christoph Pragua

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